aktuell: Informationen zu unserer Aktion auf dem Aalener Wochenmarkt

Nudellotterie – Was soll das?

Am Samstag, dem 30. April, dient uns die allseitsbeliebte Nudel (genauer: Pasta)  als Aufhänger, um auf dem Aalener Markt darauf aufmerksam zu machen, dass Maßnahmen gegen den Klimawandel langfristig betrachtet echte Schnäppchen sind, die sich noch dazu für uns alle auszahlen werden. Demgegenüber ist kein oder mangelnder Klimaschutz der wahre Kostentreiber!

Denn wenn wir dem menschengemachten Klimawandel nicht mit aller Kraft entgegentreten, werden Ernteerträge mehr und mehr Glückssache – ein gefährliches Lotteriespiel, bei dem die Menschheit nur verlieren kann! Um auf diese Situation aufmerksam zu machen, starten wir auf dem Wochenmarkt eine Nudellotterie. Wer Glück hat, kann dabei hochwertige Pasta des Unverpackt Ladens in Schwäbisch Gmünd (https://www.unverpackt-gd.de/) gewinnen – an dieser Stelle ganz herzlichen Dank für die Kooperation und die Unterstützung unserer Aktion!

An unserem Stand gibt es neben Losen und Gewinnen auch

  • Informationen dazu, dass und wie sich die Klimakrise bereits jetzt auf Grundnahrungsmittel und deren Preise auswirkt.
  • Tipps für angehende Klimaretter*innen und eine Darstellung sowohl individueller als auch politischer Handlungsräume.

Alle, die nicht vor Ort dabei sein konnten oder alles nochmal nachlesen möchten, finden die plakativ zusammengefassten Inhalte oben (s. gelbes Poster) sowie weiter unten (ihr müsst nur ein bisschen scrollen). Alle, die mehr Details und Hintergründe wollen, lesen am besten gleich weiter.

Wie der Klimawandel Nahrungsmittelpreise in die Höhe treibt

Aufgrund des schrecklichen Krieges in der Ukraine wird in der Öffentlichkeit zu Recht viel über die steigenden Weizenpreise und die
dramatischen Folgen dieser Preissteigerungen für die Versorgungssicherung in Gebieten wie West- und Ostafrika diskutiert.
Dabei sollte allerdings nicht aus dem Blick geraten, dass durch den menschengemachten, sich immer weiter beschleunigenden Klimawandel ein dauerhafter Anstieg von Missernten droht, der die Versorgungssicherheit anhaltend gefährdet.

Bereits jetzt sorgen Extremwetterereignisse für Ernteausfälle und Preissteigerungen. Für arme Länder ist das abolut fatal! Schon allein
deshalb muss alles getan werden, um den Klimawandel zu verlangsamen. Nur dann können eine weitere Zuspitzung der Lage und dramatische geopolitische Folgen verhindert werden.

Unabhängig davon werden auch wir, die das Glück haben in gemäßigteren Breiten zu leben, die Nahrungsmittelverknappung zu spüren bekommen – zwar mehrheitlich (noch) nicht am eigenen Leibe, aber doch in unseren Geldbeuteln!

Die Kosten für keinen oder mangelhaften Klimaschutz in der Vergangenheit sind bereits jetzt hoch und für viele Menschen im globalen
Süden dramatisch. Wenn wir jetzt nicht handeln, werden sie ins Unermessliche steigen.

Kein Klimaschutz kommt uns alle teuer zu stehen! Aber noch haben wir es in der Hand

 

Was hat das alles mit Nudeln zu tun?

Wir alle lieben Nudeln – statistisch gesehen verzehrt jede Person hierzulande jedes Jahr fast 10kg davon! Von den Meisten noch unbemerkt steigen die Preise für dieses Grundnahrungsmittel seit Herbst 2021 immer weiter an – Expert*innen befürchten, dass sich die Preise verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen könnten! Verursacht werden die Preissteigerungen durch den Marktpreis von Hartweizen (Durum), der auch Grundlage von Bulgur und Couscous ist.

Warum steigt der Hartweizenpreis?

Grund für die Preissteigerungen bei Hartweizen sind weltweite Extremwetterereignisse, die Klimawissenschaftler*innen auf die Folgen des menschengemachten, beschleunigten Klimawandels zurückführen: Insbesondere in Kanada, dem Hauptexporteur von Hartweizen, sind die Ernteerträge 2021 aufgrund einer Rekordhitzewelle um fast 50 % eingebrochen.

Aber auch in Frankreich und Mitteleuropa war 2021 die Ernte von Hartweizen – abermals weitgehend klimawandelbedingt – miserabel: In Frankreich gab es Überschwemmungen, in Mitteleuropa war der der Sommer insgesamt zu nass. Es folgten Pilz- und Parasitenbefall, sodass das Getreide nicht mühlenfähig war.

Die durch diese Ernteausfälle verursachte Verknappung ließ und lässt die Preise an den Getreidemärkten steigen. Weil viele Agrar-Rohstoffe erst zeitversetzt verarbeitet werden und weil es verbindliche Verträge aus der Vergangenheit gibt, werden sich die Haupt-Preissteigerungen wohl erst im Laufe diesen Jahres bemerkbar machen.

 

VERKNAPPUNG UND VERTEUERUNG ANDERER NAHRUNGSMITTEL

Wegen extremer Hitze und dadurch bedingter Dürren brach 2021 weltweit die Produktion auch anderer Grundnahrungsmittel drastisch ein. Betroffen waren: Hafer – Gerste – Soja – Hülsenfrüchte – Kartoffeln – Mais – Hirse und teilweise der ebenfalls in Kanda angebaute Raps.

Bereits vor dem Ausbruch des Ukraine-Krieges, der die Lage nun dramatisch verschärft, standen Marokko und Ostafrika (mit Kenia, Äthiopien, Somalia, Südsudan) wegen einer Dürre vor einer Hungerkatastrophe. Allein in Somalia sind 4 Millionen Menschen betroffen.
Auch die derzeitigen Prognosen für 2022 können leider nicht beruhigen: In Argentien und Südbrasilien herrschte im Januar 2022 eine Rekordhitze mit Temperaturen bis zu 45°C. Die Soja- und Maisernte wird deshalb 2022 trotz höherer Anbauflächen (durch Regenwaldrodung!) geringer ausfallen. Aktuell wird die Weizenernte in Indien, dem weltweit zweitgrößten Weizenexporteuer, massiv beeinträchtigt – derzeit (Stand April 2022) wird ein Rückgang der Erträge um 10-35% befürchtet. 

Beliebte Genussmittel wie Kaffee, Tee und Kakao sind ebenfalls betroffen

Kaffee: Von Jan.-April 21 fiel im Süden Brasiliens so wenig Regen wie nie seit der Wetteraufzeichnung. Es folgte eine Jahrhundertdürre. Für die Arabica-Kaffeebohnen gab es viel zu wenig Wasser! Auf die Dürrephase folgten unübliche Nachtfröste. Junge Kaffeepflanzen und Setzlinge überlebten den Frost nicht: Dies führte beim Arabica-Kaffee zu Ernteeinbußen von 30%. Die Folge ist eine Preissteigerung um rund 60% im Vergleich zum Vorjahr. In Äthiopien, dem größten Kaffeeproduzenten Afrikas, steigen die Temperaturen ungebremst an. Gleichzeitig fällt zu wenig Niederschlag. Expert*innen rechnen damit, dass bis zum Ende dieses Jahrhunderts bis zu 60 % der heutigen Anbauflächen für die Kultivierung der Bohne unbrauchbar werden könnten.

Tee: Steigende Temperaturen (auch nachts) und zunehmende Trockenheit in vielen Ländern (z.B. Taiwan) beeinträchtigen die Qualität des Tees und die Ernte fällt ge­ring­er aus.

Kakao: Die für die Kakaobohne geeigneten Anbauflächen sind rar, weil die anspruchsvolle Pflanze nur in einem schmalen Streifen des Regenwaldes rund um den Äquator wachsen kann. Mehr als die Hälfte der weltweiten Schokoladenmengen kommt deshalb aus zwei Ländern: aus Ghana und der Elfenbeinküste. Klimaforscher*innen prognostizieren, dass weite Teile dieser Länder bis 2050 zu trocken für den Kakaoanbau sein werden. Wenn der Klimawandel nicht aufgehalten wird und die durchschnittliche Jahrestemperatur weltweit um zwei Grad oder sogar mehr ansteigt, wird es in den flachen Großanbaugebieten Westafrikas keinen Kakaoanbau mehr geben können. Für uns bedeutet das vielleicht den Verzicht auf ein zu teuer gewordenes Luxusnahrungsmittel. Für die ortsansässigen Kakaobäuerinnen und -bauern bedeutet es hingegen den Verlust ihrer Lebensgrundlage.

Werde Klimaretter*in!

Wir alle haben es in der Hand - auch Du!

Die Klimakrise wird immer sichtbarer. Aber wir alle können dazu beitragen, für uns und unsere Kinder eine lebenswerte Zukunft zu sichern – durch individuelle Verhaltensänderungen, aber vor allem auch durch das Einfordern und Unterstützen mutiger zukunftsgerichteter, klimapolitischer Weichen­stellungen der politischen Verantwortungsträger*innen – in unserer Stadt, unserer Region, unserem Land und weltweit. Noch haben wir es in der Hand!

Es geht um die Wende hin zu einer nachhaltigen, klimagerechten Welt!

Werdet individuell aktiv und bewegt euch und die Politik! Die Zukunft braucht jede*n von uns!

Noch mehr Informationen findest du hier

Artikel zu Kosten von Klimaschutz bzw. Folgekosten von keinem Klimaschutz

Aufsatzsammlung des IFO Instituts u. a. zu Kosten und Nutzen des Klimaschutzes (Juni 2021)

https://www.ifo.de/DocDL/sd-2021-06-loeschel-etal-klimapolitik-verteilungswirkungen.pdf

wissenschaftsjournalisitischer Beitrag Deutsche Welle (Sept. 2021)

https://www.dw.com/de/deutschland-klimaneutral-2045-kosten/a-59197085

wissenschaftsjournalisitischer Beitrag aus Die Debatte (Okt. 2021)

https://www.die-debatte.org/klimawandelkosten-uebersichtsartikel/

wissenschaftsjournalisitischer Beitrag aus Die Debatte (Nov. 2021)

https://www.die-debatte.org/kosten-des-klimawandels-das-war-die-debatte/

Auswirkungen der Klimakrise auf Nahrungsmittelteuerung und Nahrungsmittelversorgung

allgemein

Beitrag im Fokus (Juli 2021)

https://www.focus.de/finanzen/boerse/konjunktur/duerren-flut-und-frost-wie-der-klimawandel-dieses-jahr-lebensmittel-verteuert_id_13531259.html

Beiträge zu Extremwettereignissen und Klimawandel

Die Zeit und DiePresse zur Hitzewelle in Indien, dem weltweit zweitgrößten Weizenexporteuer (April 2022)

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2022-04/klimawandel-hitze-indien-pakistan-rekordtemperaturen?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

https://www.diepresse.com/6130831/hitzewelle-in-indien-koennte-weitere-verknappung-am-weizenmarkt-ausloesen

Klimareporter (August 2020)

https://www.klimareporter.de/erdsystem/extreme-duerreperioden-werden-in-europa-zunehmen

Umweltbundesamt zur Trockenheit in  Deutschland 2021

https://www.umweltbundesamt.de/themen/trockenheit-in-deutschland-fragen-antworten

Spektrum der Wissenschaften zu Dürre und Klimawandel (Februar 2022)

https://www.spektrum.de/news/klimastatistik-klimawandel-macht-duerre-zur-megaduerre/1988140

Beitrag Welthungerhilfe

https://www.welthungerhilfe.de/informieren/themen/klimawandel/wetterextreme-klimawandel-folgen/

Beitrag WWF (September 2021)

https://www.wwf.de/themen-projekte/klimaschutz/klimaforschung-extremwetter-sind-folgen-des-klimawandels

Hartweizen

Pressemitteilung des statistischen Bundesamtes (Oktober 2021)

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/10/PD21_N063_51.html

englischer Beitrag aus L’italo americano (Oktober 2021)

https://italoamericano.org/the-war-for-pasta/

Statistik der kanadischen Regierung zu den Ernteeinbrüchen im Jahr 2021

https://www150.statcan.gc.ca/n1/daily-quotidien/210914/t001b-eng.htm

englischer Beitrag des World Economic Forum zu aktuellen und prognostizierten klimawandelbedingten Schwierigkeiten beim Hartweizenanbau (durum wheat) (September 2021)

https://www.weforum.org/agenda/2021/09/how-nervous-should-pasta-producers-and-lovers-really-be/

Deutsche Welle zur Hitzewelle in Kanada (Januar 2022)

https://www.dw.com/de/weltwetterorganisation-sieben-jahre-hitze/a-60471381

Kakao

Beitrag von Fairafric, einem Anbieter fair gehandelter Schokolade (Oktober 2021)

https://fairafric.com/die-zukunft-der-schokolade-welche-auswirkungen-hat-der-klimawandel-auf-den-kakao-anbau/

Kaffee

Beitrag von Klimareporter, unabhängiges Online-Magazin zu Klimawandel und Energiewende (März 2022)

https://www.klimareporter.de/finanzen-wirtschaft/kaffee-wird-immer-teurer

Die IPCC-Berichte – warum wir handeln müssen und wie wir handeln können

Artikel über die Weltklimarat-Berichte im Februar und April 2022 und Link zum Bericht selbst

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2022-04/ipcc-bericht-klimaschutz-1-5-grad?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

https://utopia.de/ratgeber/neuer-bericht-des-weltklimarats-eine-eindringliche-warnung-an-die-menschheit/

https://utopia.de/news/weltklimarat-dritter-bericht-ipcc/

https://www.ipcc.ch/

Klimafakten allgemein

Wissenswertes findet ihr hier

 

GLOBAL:

Informationen des Weltklimarats (Erarbeitet Empfehlungen auf wissenschaftlicher Basis, weltweite Zusammenarbeit von Forscher*innen)

 https://www.ipcc.ch/

Klimafakten (Redakteursnetzwerk, welches Informationen aufbereitet und vermittelt)

https://www.klimafakten.de/

NATIONAL:

Agora Energiewende (unabhängiges Denk- und Politiklabor)

www.agora-energiewende.de

Wuppertal Institut: CO2-neutral bis 2035: Eckpunkte eines deutschen Beitrags zur Einhaltung der 1,5-Grad Grenze

https://wupperinst.org/p/wi/p/s/pd/924

Klimaverträgliche Energieversorgung für Deutschland – 16 Orientierungspunkte

https://de.scientists4future.org/klimavertraegliche-energieversorgung-de-in-16-punkten/

Klimaneutralität: Optionen für eine ambitionierte Weichenstellung und Umsetzung (2021)

https://www.leopoldina.org/publikationen/detailansicht/publication/klimaneutralitaet-optionen-fuer-eine-ambitionierte-weichenstellung-und-umsetzung-2021/

KOMMUNAL:

Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg informiert, motiviert und unterstützt Kommunen bei konkreten Projekten und strategischen Fragen:

https://www.kea-bw.de/kommunaler-klimaschutz/wissensportal

Ein Vorbild: Klimaschutzprogramm 2020 bis 2030 für die Zielsetzung „Tübingen klimaneutral 2030“

https://www.tuebingen.de/Dateien/broschuere_klimaschutzprogramm.pdf

VIRAL:

Berichte zu verschiedenen Themen:  SWR Podcast Klima

https://www.swr.de/swr2/wissen/wissen-klima-102.html

Informatives Video von Harald Lesch

https://www.youtube.com/watch?v=XZa43ekOyrI