Aktuelles

Perspektive 35' - Aalener Klimadialoge
"Wirtschaft macht Zukunft"
(30. Mai, 18 Uhr im KuBAA)

Wir vom Aalener Klimaentscheid stimmen mit OB Frederick Brütting darin überein, dass „wir vor allem die Unterstützung der Aalener
Wirtschaft benötigen, um die Stadt bis ins Jahr 2035 klimaneutral gestalten zu können“. Die Aalener Klimadialoge unter dem Motto „Wirtschaft macht Zukunft“ markierten den Auftakt für eine Zusammenarbeit zwischen Stadt, Bürgerschaft und lokalen Wirtschaftsunternehmen.

Natürlich waren auch wir vor Ort vertreten, um auf die Handlungsspielräume der lokalen Industrie und des lokalen Gewerbes aufmerksam zu machen.

Mehr Informationen zu unseren Positionierungen gibt’s…

Wer wir sind und was wir wollen

Unsere Motivation

Wir möchten aktiv dazu beitragen, eine lebenswerte Zukunft für uns, unsere Kinder und unsere Enkel zu gestalten.

Der Klimakrise ist längst auch bei uns in Aalen angekommen. Ein Hitzesommer folgt dem anderen. Zu wenig Regen, Missernten, Wasserknappheit und verdorrte Bäume, Waldbrandalarm bereits im Frühling.

Wenn wir so weiterleben wie bisher erreichen wir bald Kipppunkte, die unumkehrbar sind und innerhalb der Lebenszeit unserer Kinder und Enkel zu einer Überhitzung der Erde von 3-4° C führen. Die Folgen wären Überflutungen, Dürren, weitere Pandemien, Hungersnöte, die weltweit Konflikte und Kriege schüren und zu nie dagewesenen Völkerwanderungen und Flüchtlingsströmen auch innerhalb Europas führen. Niemand will das.

Trotz des Pariser Abkommens, das die Erderhitzung auf deutlich unter 2 Grad, idealerweise 1,5°, beschränken soll, bewegen wir uns auf einem Kurs deutlich über 2 Grad. Auch bei 1,5 Grad Erhitzung werden wir deutliche Folgen spüren, jedoch besteht eine gute Chance, die Lebensgrundlage für uns Menschen, viele Tiere und Pflanzen zu erhalten. Damit das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden kann, müssen wir in Deutschland den Ausstoß von Treibhausgasen innerhalb der nächsten 10-15 Jahre um 80-90 % reduzieren, also nahezu klimaneutral werden. Unsere Stadt Aalen verfolgt seit dem 28. Oktober 2021 das Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden. Der Beschluss, der mit 45 von 49 Stimmen gefasst wurde, reagierte auf unseren Einwohnerantrag, den über 1200 Aalenerinnen und Aalener unterstützten.

Um das Klimaneutralitätsziel zu erreichen braucht es Veränderungen im Großen und vor der eigenen Haustür – in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und in der Politik. Wir sind überzeugt, dass die Politik die aktive Mithilfe von uns Bürger*innen braucht, um entschlossen zu handeln. Deshalb haben wir uns im Februar 2020 zum Bündnis für Nachhaltigkeit und Klimaschutz Ostalbkreis zusammengeschlossen und Ende 2020 entschieden, einen Klimaentscheid in Aalen durchzuführen.

In vielen anderen Städten entstehen gerade ähnliche Klima-Bewegungen wie bei uns. Mit unseren Aktionen wollen wir ein besseres Bewusstsein für den drohenden Klimakollaps schaffen, Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und über demokratische Mittel wie den Einwohnerantrag Einfluss auf das politische Geschehen unserer Stadt nehmen.

Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Klimaexpert*innen, der Stadt und Bürger*innen ein Klimaschutzprogramm zu entwickeln und umzusetzen, das Aalen bis 2035 klimaneutral macht und damit unseren Beitrag für die Einhaltung des Pariser Klima-Abkommens, des 1,5 Grad Zieles und damit letztendlich für eine lebenswerte Zukunft zu leisten.

Unser Team

Doris

Abwarten und Tee trinken ist in Sachen Klimakrise keine Option mehr für mich. Ich will jetzt etwas dafür tun, daß die Generationen, die nach mir kommen, eine lebenswerte Zukunft haben.

Matthias

Viele Menschen in unserer Generation erleben hier bei uns großen
Wohlstand. Leider geht dieser zu großen Teilen auf Kosten der künftigen
Generationen. Wenn wir jetzt handeln, die Treibhausgas-Emissionen auf
Null senken, dann können wir in Zukunft alle gemeinsam ein gutes und
nachhaltiges Leben führen. Darauf freue ich mich!

Ute

Ich wäre so stolz auf Aalen, wenn es auf dem Weg zum Pariser Klimaziel vorangeht, so wie in mittlerweile über 70 weiteren Städten.
Hoffentlich rollt die Welle immer schneller und immer weiter.
Wir alle haben Zukunftspläne …aber wozu Pläne schmieden? 

Moni

Ich beteilige mich beim Klimaentscheid,
weil wir im solidarischen Miteinander für eine nachhaltige und
lebenswerte Welt kämpfen können.
Fridays for future haben es vorgemacht, das Handeln liegt in unserer
Hand. Gemeinsam sind wir stark in
unserer Verantwortung für den Natur-, Umwelt- und Klimaschutz.

Barbara

In naher Zukunft wird sich alles verändern. Es liegt an uns, ob diese Veränderungen zerstörerisch und chaotisch durch die ungebremste Erderhitzung und die Biodiversitätskrise entstehen. Oder ob wir die Veränderungen jetzt gestalten und steuern, um die nahenden Katastrophen noch abzuwenden. Mit diesem Klimaentscheid möchten wir viele Menschen, insbesondere auch Politiker*innen und Unternehmer*innen dazu motivieren, gemeinsam die notwendigen Veränderungen anzustoßen. Noch haben wir es in der Hand.

Winfried

Ich engagiere mich beim Klima-Entscheid, weil ich möchte, dass wir nicht auf Kosten der nächsten Generation leben und unseren Kindern eine bewohnbare Welt hinterlassen.
Ich möchte ein Teil der Lösung sein und nicht des Problems. Unser Einwohner*innen-Antrag ist für mich ein erster Schritt, um zu zeigen, dass nicht „die Politik“ für uns die Lösungen herbeizaubert, sondern dass wir gemeinsam mit den Politiker*innen Veränderungen möglich machen.

Peter

Ich engagiere mich beim Klimaentscheid Aalen, weil ich es meinen Kindern und Enkeln schuldig bin dafür zu sorgen, dass wir ihnen eine intakte und lebenswerte Welt zurücklassen.

Alex

Ich möchte jetzt handeln, weil es bald zu spät sein könnte. 

Anne

Weil ohne unsere Umwelt alles nichts ist.

Andi

Ich habe mich entschieden, auch beruflich, Bildungsarbeit für eine nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen in Aalen zu leisten. Dabei ist globale Klimagerechtigkeit für mich ein zentrales Anliegen. Darum ist für mich ein Engagement für ein klimaneutrales Aalen die logische Konsequenz, weshalb ich mich dabei einbringe.

Wolfram

Ein einzelnes Getreidekorn scheint in seiner Existenz vernachlässigbar; aber viele Menschen leben vom Brot, weil es so viele Getreidekörner gibt. So ähnlich erscheint mir mein Verhalten in der Klimakrise: mein Denken und Tun wirkt zusammen mit dem von immer mehr Mitmenschen, und ich rufe dazu auf, dass es noch viel mehr werden. So kann man dieses schwierige Problem in den Griff kriegen, und Politik und Verwaltung können darauf aufbauen.

Michael

…denn meine Kinder sind es wert.
…denn wir wissen es besser.
…denn es liegt in unserer Verantwortung.
…weil ich etwas bewirken kann.
…denn jede positive Aktion zählt.

Mit im Team sind ausserdem

Andreas, André, Anita, Antonia, Antje, Bernd, Claudia, Daniela, Denise, Eva, Felix, Gian, Guntram, Ingrid, Jan, Jürgen, Klaus, Konstantin, Laura, Margarete, Margarete, Markus, Mike, Stefan, Uta, Xenia

Wie alles begann

Erstmals im Februar 2019 gingen in Aalen – angeregt durch das Beispiel einer jungen Schwedin, die mit der Idee eines „Streiks für das Klima“ eine weltweite Protestbewegung angestoßen hatte – Jugendliche auf die Straße: die „Fridays for Future“ waren auf der Ostalb angekommen. Die jugendlichen Aktivist*innen, zwischen 13 und 19 Jahren alt, vernetzten und unterstützten sich bei Aktionen in Aalen, Ellwangen, Schwäbisch Gmünd und Heidenheim. Sie erlebten Ablehnung, aber auch Unterstützung und es gelang Ihnen, wie auch anderen FFF-Gruppen in ganz Deutschland, dass Thema Klimaschutz in die gesellschaftlich Diskussion zu holen. Die Europawahl im Mai 2019 setzte dafür ein erstes deutliches Zeichen.

Mit einem „globalen Klimastreik“ sollte – vor den Beratungen einer aufgeschreckten, in ihren Entscheidungen zur Klimapolitik aber weiterhin zögerlichen Bundesregierung – am 20. September 2019 deutschlandweit der Wunsch und die Bereitschaft der Gesellschaft verdeutlicht werden, den nötigen Wandel einzuleiten.

Angestoßen von „Fridays for Future“ bildete sich dafür in Aalen eine vielfältige Vorbereitungsgruppe.´ Ihr gehörten an: das Theater der Stadt, die Katholischen Betriebsseelsorge, schon lange im Umwelt- und Tierschutz tätige Gruppen wie BUND und ARIWA (Animal Rights Watch), Organisationen zu globaler Gerechtigkeit wie Attac und SOLWODI (Solidarity With Women In Distress), die Evangelische Kirche, Schulen aus dem Ostalbkreis sowie neu formierte Unterstützter*innen wie die „Parents For Future“.

Die Veranstaltung an diesem Freitag, dem 20. September 2019 wurde mit über 1.400 Teilnehmer*innen eine der größten Demonstrationen der letzten Jahrzehnte in Aalen, deutschlandweit gingen Hunderttausende auf die Straße, weltweit Millionen. Das „Klimapaket“, das die Bundesregierung kurz darauf verabschiedete, blieb trotzdem nur ein „Päckchen“ und wurde entsprechend Ende November auf dem nächsten Klimastreik, bei einer Kundgebung vor dem Aalener Rathaus von den „Fridays For Future“ als Luftnummer entpackt.

Aus dieser zweiten gemeinsamen Veranstaltung entstand bei vielen beteiligten Gruppen und Institutionen das Bedürfnis, die Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Zusammenhang zu verstetigen, das „Bündnis für Klimaschutz und Nachhaltigkeit auf der Ostalb“, angedockt an das UtopiAA-Projekt in der Aalener Innenstadt, wurde gegründet.

Die Ankunft der Corona-Pandemie in Deutschland im Frühjahr 2020 änderte alles. Die Aufmerksamkeiten und Prioritäten im öffentlichen Diskurs, genauso wie die eingeschränkten Möglichkeiten, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Für alle Klimaaktivist*innen eine doppelt schwere und wichtige Aufgabe: Die Klimakrise als Thema in der Politik und in der Gesellschaft wach zu halten.

Jenseits der Unterstützung für die Aktionen und Forderungen von „Fridays For Future“ mit oft bundespolitischem Fokus (z.B. hinsichtlich der Kohlepolitik) wurde in dieser Zeit im Bündnis der Gedanke lebendig, vor Ort in Aalen einen Beitrag zu leisten und im lokalen Bereich mit konkreten Maßnahmen gegen die Klimakrise aktiv zu werden. Dank der Initative German Zero (https://germanzero.de/) lag eine Blaupause für mögliche und notwendige Maßnahmen wie auch für den politischen Weg auf dem Tisch: die Idee für einen Einwohner*innen-Antrag war geboren. Anzuschieben vor dem „Superwahljahr“ 2021 mit Landtagswahl in Baden Württemberg, Bundestagswahl und nicht zuletzt der OB-Wahl in Aalen. Angetrieben von der Hoffnung, die Bevölkerung und den Aalener Gemeinderat für eine aktivere Klimapolitik vor Ort zu gewinnen oder zumindest der Klimakrise als langfristig wichtigstem Thema in der politischen Diskussion ihren Platz zu verschaffen.

„Aalen klimaneutral 2035“, mit diesem Ziel machte sich die Initiative „Klimaentscheid Aalen“ auf den Weg, so wie Gruppen in mittlerweile über 70 anderen deutschen Städten für ihre jeweilige Kommune. Dieses Ziel kann und soll (!) nicht allein „von oben“ erreicht werden. Nicht (nur) aus der Bundespolitik, und vor Ort nicht (nur) aus der Verwaltungsspitze, mit „fertigen“ Ergebnissen an die Bevölkerung herangetragen. Zukunft braucht Beteiligung, eine Politik, die – mindestens unbequeme – Einschnitte und Veränderungen von allen verlangt, muss von möglichst vielen mit angeschoben und getragen werden. Aus dieser Überzeugung heraus hat der Klimaentscheid Aalen auch das Angebot der damaligen Verwaltungsspitze, den Klimaantrag als Antrag der Verwaltung direkt in den Gemeinderat einzubringen, mit Dank abgelehnt und hat im Frühjahr und Frühsommer 2021 den „Um-Weg“ in die Öffentlichkeit und den Dialog mit den Menschen auf der Straße gesucht.

Unterschrieben und unterstützt werden konnte ein Antrag, in dem der Gemeinderat mit dem Ziel „Aalen klimaneutral 2035“, die Aalener Stadtverwaltung beauftragen sollte, mit Unterstützung eines Fachbüros und von Aalener Bürger*innen bis zum Herbst 2022 einen Aktionsplan und einen konkreten Maßnahmenkatalog für Aalen zu erstellen. Die Gespräche und Diskussion auf der Straße waren für alle Klima-Aktive eine wichtige und bereichernde Erfahrung. Viel Zustimmung und das Bedürfnis, etwas zu tun bzw. einen klaren Blick auf notwendige Maßnahmen zu bekommen, waren zu erleben, oft auch Unsicherheit und Zukunftsängste vor Veränderung, manchmal auch Ablehnung. Das nötige Quorum von 1200 Stimmen war noch vor der OB-Wahl Anfang Juli 2021 erreicht, Mitte Juli überreichte die Initiative Klimaentscheid rund 1500 Unterschriften zur rechtlichen Prüfung im Aalener Rathaus.

Unter dem neuen Aalener Oberbürgermeister Frederick Brütting kam der Antrag am 28.10.2021 im Gemeinderat zur Abstimmung und wurde mit großer Mehrheit (45 von 49 Stimmen) angenommen. Ein Meilenstein für die Initiative Klimaentscheid und gleichzeitig „nur“ ein erster Schritt für die nun beginnende gemeinsame Arbeit an der Umsetzung zusammen mit Stadtverwaltung, Industrie und der Bevölkerung. Die Geschichte geht weiter…